Station 01
Einleitung

Simon Wiesenthal überlebte den Holocaust. Er war in mehreren Arbeits- und Konzentrationslagern inhaftiert und wurde 1945 im Konzentrationslager Mauthausen befreit. Nach dem Krieg lebte er in Österreich und widmete sein Leben der Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen. Er setzte sich dafür ein, dass nationalsozialistische Täterinnen und Täter identifiziert und vor Gericht gestellt werden.

Wiesenthals Credo lautete Zitat:  „Recht, nicht Rache“ Ende des Zitats. Er glaubte daran, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht mit Vergeltung beantwortet werden sollten, sondern mit den Mitteln des Rechtsstaats. Dabei verstand er den Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden als ein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit. Er stellte auch Verbindungen zur Verfolgung anderer Opfergruppen während der NS-Zeit her – etwa von Roma und Sinti, von homosexuellen Männern und Frauen, von Zeuginnen und Zeugen Jehovas und von Menschen mit Behinderungen.

Über Jahrzehnte war Wiesenthal in Österreich und international tätig. In seinen letzten Jahren beschäftigte ihn die Frage, wie sein umfangreiches Material in Wien nach seinem Tod bewahrt und genutzt werden sollte. Er wusste, dass nur noch wenige Täterinnen und Täter sowie wenige Überlebende am Leben waren und die juristische Verfolgung an Grenzen stieß.

Zur gleichen Zeit entstanden in Österreich Pläne für ein Holocaustforschungsinstitut. Wiesenthals Wunsch, seine Sammlung der Forschung zugänglich zu machen, floss in diese Überlegungen ein. Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wurde das Konzept für das heutige Vienna Wiesenthal Institute, kurz VWI, entwickelt. Wiesenthal starb 2005 während der Planungsphase. 2008 beschlossen die Republik Österreich und die Stadt Wien die gemeinsame Finanzierung. Danach nahm das Institut seine Arbeit auf.

Das VWI erforscht den Holocaust, seine Vorgeschichte und seine Folgen. Außerdem beschäftigt es sich mit Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus und Genozid. Die Arbeit des Instituts beruht auf drei Säulen: Dokumentation, Forschung und Vermittlung.

Im Zentrum der Dokumentation steht das Simon Wiesenthal Archiv. Es umfasst Fallakten zu Täterinnen und Tätern, Dossiers zu bestimmten Themen, wie beispielsweise der sogenannten „Euthanasie“, Korrespondenzen und persönliche Unterlagen. Ergänzt wird es durch die holocaustrelevanten Bestände der Israelitischen Kultusgemeinde, Vor- und Nachlässe von Forscherinnen und Forschern, internationale Datenbanken mit Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und eine umfassende Fachbibliothek. Diese Bestände können Sie im Lesesaal des Instituts begutachten.

Zur Forschung gehören ein großes internationales Förderprogramm für österreichische und ausländische Forscherinnen und Forscher sowie eigene Forschungsprojekte. Außerdem koordiniert das VWI den österreichischen Beitrag zur europäischen Forschungsplattform EHRI. Das ist ein Netzwerk, das Informationen und Archive zum Holocaust sammelt und online zugänglich macht.

Die Vermittlung übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in verständliche Formate für eine breite Öffentlichkeit. Dazu gehört auch das Museum, in dem Sie sich befinden – es macht diese Arbeit sichtbar.

 

Simon Wiesenthal überlebte den Holocaust.

Der Holocaust war die systematische Verfolgung, Beraubung und Ermordung von Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten und ihre Helfer. Nationalsozialisten werden auch NS-Täter oder kurz Nazis genannt.Nach seiner Befreiung wollte Wiesenthal die nationalsozialistischen Verbrechen aufklären.
Er wollte die Täter finden und vor Gericht stellen.

Sein Leitsatz war: „Recht, nicht Rache.“

Er hat viele Jahrzehnte lang weltweit gearbeitet und Dokumente, Fotos und Zeugenaussagen über die Verbrecher gesammelt.

In seinen letzten Lebensjahren dachte Wiesenthal darüber nach:
Was soll mit seinem Material nach seinem Tod geschehen?

Er wusste, dass nur noch wenige Täter leben.

Es wird immer schwieriger, sie vor Gericht zu bringen.

In Österreich entstanden Anfang der 2000er-Jahre Pläne für ein Institut zur Erforschung des Holocaust.

Es war Wiesenthals Wunsch, seine Sammlung der Forschung zu übergeben.

Durch die gemeinsame Arbeit mit Wissenschafter:innen und mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien entstand das Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust Studies, kurz VWI.
Die Israelitische Kultusgemeinde Wien ist die offizielle Vertretung der jüdischen Gemeinde in Wien.

Simon Wiesenthal starb 2005.

2008 haben die Republik Österreich und die Stadt Wien gemeinsam die Finanzierung des Instituts übernommen.

Das VWI beschäftigt sich mit dem Holocaust, seiner Vorgeschichte und seinen Folgen.

Dazu gehören auch Themen wie Antisemitismus, Rassismus und Völkermord.

Antisemitismus bedeutet Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden