Station 02
Biografie 1945–2005

Blick in die Dauerausstellung des Vienna Wiesenthal Institute mit der Biografie-Tafel „1945–2005“. Daneben sind historische Schwarz-Weiß-Fotografien von Simon Wiesenthal bei seiner Recherchearbeit zu sehen.

Nach seiner Befreiung beginnt Simon Wiesenthal sofort mit der Suche nach nationalsozialistischen Täterinnen und Tätern. Er arbeitet mit amerikanischen Geheimdiensten zusammen und gründet 1947 in Linz die „Jüdische Historische Dokumentation“. Der Beginn des Kalten Krieges und der Österreichische Staatsvertrag 1955 bremsen das Interesse der österreichischen Behörden erheblich, NS-Täterinnen und Täter zu verfolgen. Enttäuscht darüber übergibt er 1957 sein Linzer Archiv an Yad Vashem, die israelische Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. Später setzt er seine Arbeit in Wien fort, wo er ein neues Dokumentationszentrum aufbaut.

Wiesenthal engagiert sich erfolgreich für die Verlängerung der Verjährungsfristen für NS-Verbrechen. Nach der Ergreifung Adolf Eichmanns wird er weltweit bekannt. 1977 entsteht in Los Angeles das Simon Wiesenthal Center. 1989 wird sein Leben verfilmt. Für Wien fordert er ein Mahnmal für die Opfer der Schoah, das 2000 am Judenplatz enthüllt wird.

Bis ins hohe Alter recherchiert Wiesenthal und tritt als Zeitzeuge auf. Er stirbt 2005 in Wien. Beigesetzt wird er in Israel, wo seine Tochter und seine Enkelkinder leben.

Nach seiner Befreiung aus dem KZ Mauthausen begann Wiesenthal sofort mit der Suche nach nationalsozialistischen Tätern.

1947 gründete er in Linz ein Dokumentationsbüro, um dort Materialien über sie zu sammeln. Der Kalte Krieg und der Staatsvertrag von 1955 bremsten diese Arbeit stark.

Im Kalten Krieg standen sich West und Ost feindlich gegenüber. In Österreich wollte man nach dem Staatsvertrag einen „Schlussstrich“ unter die NS-Vergangenheit ziehen. Das bedeutete: Man wollte nicht mehr über die Zeit des Nationalsozialismus reden. Für die Verfolgung von NS-Tätern gab es dadurch kaum politische Unterstützung.

1957 übergab Wiesenthal sein Archiv an Yad Vashem in Jerusalem.

Yad Vashem ist die Internationale Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem.

Wiesenthal setzte seine Arbeit in Wien fort. Er kämpfte zum Beispiel dafür, dass die Verjährung von NS-Verbrechen verlängert wird. Verjährung bedeutet: Nach einer bestimmten Zeit darf jemand nicht mehr für eine Tat bestraft werden. Wiesenthal wollte verhindern, dass NS-Täter auf diese Weise der Strafe entkommen.

Nach der Festnahme von Adolf Eichmann im Jahr 1960 wurde Wiesenthal weltweit bekannt. Adolf Eichmann war Mitglied der SS und für viele NS-Verbrechen verantwortlich.
SS steht für Schutzstaffel. Die SS war eine mächtige Terror-Organisation der Nationalsozialisten. Eichmann war maßgeblich verantwortlich für die Verschleppung von Jüdinnen und Juden in Vernichtungslager. Vernichtungslager waren Lager, die zur Ermordung von Menschen gebaut wurden. Sie unterscheiden sich von Konzentrationslagern, kurz KZ: In KZs wurden Menschen zur Zwangsarbeit eingesetzt und durch Hunger und Gewalt getötet.
Eichmann wurde 1960 in Argentinien gefasst und nach Israel gebracht. Er wurde in einem Prozess in Jerusalem verurteilt und 1962 hingerichtet.

1977 entstand in den USA das Simon Wiesenthal Center.

1989 wurde Wiesenthals Leben verfilmt. Die Hauptrolle spielte der Schauspieler Ben Kingsley.
2000 wurde in Wien am Judenplatz ein Mahnmal für die Opfer der Schoah eröffnet. Schoah ist ein anderes Wort für den Holocaust.

Simon Wiesenthal arbeitete bis ins hohe Alter. Er starb 2005 in Wien. Sein Grab befindet sich in Israel.