Station 06
Den Mördern auf der Spur
Wiesenthal arbeitet nach eigenen Angaben an rund 3.000 Fällen nationalsozialistischer Verbrechen. In mehr als einem Drittel dieser Fälle führen seine Recherchen zu gerichtlichen Untersuchungen.
Er verfolgt prominente Täter wie Adolf Eichmann, Josef Mengele und Franz Stangl. Besonders intensiv beschäftigt er sich mit den Verbrechen in Galizien, seinem Herkunftsgebiet. Dort wurden die meisten seiner Angehörigen ermordet.
Seine Arbeit stößt immer wieder auf politische Widerstände. Der Kalte Krieg erleichtert vielen Täterinnen und Tätern das Untertauchen. In Österreich lässt das Interesse an der Strafverfolgung nach dem Staatsvertrag 1955 deutlich nach. Hinzu kommen skandalöse Freisprüche, etwa 1963 im Fall von Franz Murer, der wegen seiner Brutalität auch Schlächter von Vilnius genannt wurde.
Seit Ende 2016 befindet sich Wiesenthals Archiv hier am Rabensteig. Es entstand aus fast 60 Jahren seiner Tätigkeit. Das Archiv umfasst rund 8.000 Akten zu NS-Verbrechen sowie seine umfangreiche Korrespondenz.
Es zeigt nicht nur die dokumentierten Verbrechen selbst. Es vermittelt auch, wie die Gesellschaft mit der NS-Vergangenheit umgeht, und dokumentiert Wiesenthals Engagement gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus.