Fall 2
Hermine Braunsteiner
Der digitale Akt zu Hermine Braunsteiner enthält drei Dokumente: einen Zeitungsausschnitt aus der US-amerikanischen Zeitung National Enquirer vom 17. November 1968, einen kurzen Artikel aus einer österreichischen Zeitung vom 7. Oktober 1972 und ein Passfoto von Hermine Braunsteiner.
Zunächst zum Zeitungsausschnitt aus dem „National Enquirer“, 17.November 1968:
Es handelt sich um einen mehrspaltigen Zeitungsartikel mit mehreren Abbildungen, darunter ein Foto von Hermine Braunsteiners Einfamilienhaus mit Garten in New York, ein Portrait Braunsteiners und ein Portrait Simon Wiesenthals. Der Artikel beginnt mit der Zeile: „Was ist falsch daran, Aufseherin in einem Nazilager zu sein?“.
Der Text enthält Interviewpassagen mit der ehemaligen Lageraufseherin Hermine Braunsteiner, gegen die ermittelt wird, weil sie ihre NS-Vergangenheit bei der Einbürgerung in den USA verschwiegen hat und ausgewiesen werden soll. Überlebende widersprechen ihren Aussagen.
Nun zur Geschichte von Hermine Braunsteiner:
Die Wienerin Hermine Braunsteiner, geboren 1919, gestorben 1999, war Aufseherin im Konzentrationslager Ravensbrück und im Vernichtungslager Majdanek. Wegen ihrer großen Brutalität – sie trat Häftlinge mit ihren eisenbeschlagenen Stiefeln – war sie in Majdanek gefürchtet. Dort nannten die Häftlinge sie „Kobyla“, das ist das polnische Wort für Stute.
1949 wurde Braunsteiner in Österreich wegen grausamer Behandlung von Häftlingen in Ravensbrück zu drei Jahren Haft verurteilt. Ihre Tätigkeit in Majdanek kam in der Anklageschrift nicht vor. Sie wurde vorzeitig entlassen und emigrierte mit ihrem Mann, einem US-amerikanischen Soldaten, in die USA, wo sie 1963 Staatsbürgerin wurde.
Wiesenthals Arbeit an dem Fall:
Simon Wiesenthal gelang es 1964, mit detektivischer Kleinarbeit den Aufenthaltsort Braunsteiners ausfindig zu machen. Es dauerte jedoch über zehn Jahre, bis sie im Düsseldorfer Majdanek-Prozess 1975 unter Anklage gestellt werden konnte. Nach einer Prozessdauer von sechs Jahren wurde sie 1981 wegen vielfachen Mordes und Beihilfe zu Mord zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
Weiter Dokumente:
Zum österreichischen Zeitungsartikel vom 7. Oktober 1972
Der kurze Artikel berichtet über die Vernehmung Hermine Braunsteiners in den USA. Der Bericht endet kritisch: „An der Entdeckung war ein Mann beteiligt dem Wien niemals verzeihen wird, daß er nicht verzeihen will, was man nicht verzeihen kann. Er heißt Simon Wiesenthal. Der Haß der ihm im gemütlichen Wien entgegenbrandet, demaskiert die Lebenslüge einer Stadt.“
Zum Passfoto von Hermine Braunsteiner
Im Akt, den Simon Wiesenthal zu diesem Fall anlegte, findet sich auch ein Passfoto von Hermine Braunsteiner. Auf einem Schwarz-Weiß-Foto ist eine etwa 30-jährige Frau mit Kurzhaarfrisur zu sehen. Sie ist im Halbprofil aufgenommen, der Kopf leicht gedreht, der Blick neutral und an der Kamera vorbeigerichtet.
Zum österreichischen Zeitungsartikel vom 7. Oktober 1972:
Der kurze Artikel berichtet über die Vernehmung Hermine Braunsteiners in den USA. Der Bericht endet kritisch, Zitat:
„An der Entdeckung war ein Mann beteiligt dem Wien niemals verzeihen wird, daß er nicht verzeihen will, was man nicht verzeihen kann. Er heißt Simon Wiesenthal. Der Haß der ihm im gemütlichen Wien entgegenbrandet, demaskiert die Lebenslüge einer Stadt.“
Ende des Zitats.
Im Akt, den Simon Wiesenthal zu diesem Fall anlegte, findet sich auch ein Passfoto von Hermine Braunsteiner. Auf einem Schwarz-Weiß-Foto ist eine etwa 30-jährige Frau mit Kurzhaarfrisur zu sehen. Sie ist im Halbprofil aufgenommen, der Kopf leicht gedreht, der Blick neutral und an der Kamera vorbeigerichtet.