Fall 3
Franz Stangl
Der digitale Akt zu Franz Stangl enthält zwei Dokumente: einen Brief Simon Wiesenthals an Leopold Brenes vom 23. November 1964 mit dem Hinweis auf den Aufenthalt Franz Stangls in São Paulo und ein Passfoto von Franz Stangl aus den 1940er-Jahren.
Zunächst zum Brief vom 23. November 1964:
Es handelt sich um einen Durchschlag in Schreibmaschinenschrift.
Der Brief lautet:
„Lieber Freund,
In der Beilage finden Sie das Photo von Franz Stangl, geboren am 26. März 1908 in Altmünster. Er lebt in Sao Paulo und arbeitet im Volkswagenwerk. Dieser Mann war Kommandant des Lagers Treblinka, der für den Tod von 700.000 Menschen verantwortlich ist.
Es liegt uns sehr daran, diese Information, die hundertprozentig ist, dennoch vor einer Aktion gegen diesen Mann zu überprüfen und festzustellen, wo er privat wohnt. Ich möchte dann nach Brasilien fliegen, um ihn mit Hilfe der Polizei verhaften zu lassen. Einige Länder werden seine Auslieferung verlangen.
Da diese Aktion mit grossen Kosten berbunden ist, ist eine genaue Überprüfung notwendig.
Recht herzliche Grüsse
Simon Wiesenthal“.
Diese Zeilen schrieb Wiesenthal im November 1964 an Leopold Brenes, einem Vertrauten, in Brüssel.
Nun zur Geschichte von Franz Stangl:
Franz Stangl wurde 1908 in Altmünster in Oberösterreich geboren. Er war Polizist in Linz und trat noch vor dem Anschluss Österreichs der NSDAP bei. Stangl war Verwaltungsleiter in den NS-Tötungsanstalten Hartheim und Bernburg, in denen Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermordet wurden, sowie Lagerkommandant der Vernichtungslager Sobibor und Treblinka. Heute geht die Forschung davon aus, dass in Treblinka bis zu 900.000 Menschen ermordet wurden.
1945 wurde Franz Stangl zunächst im US-amerikanischen Internierungslager Glasenbach bei Salzburg interniert, anschließend in Linz in Untersuchungshaft genommen. Von dort gelang ihm jedoch 1948 die Flucht. Mit Hilfe des österreichischen Bischofs in Rom, Alois Hudal, flüchtete Stangl gemeinsam mit seiner Familie zunächst nach Syrien und später nach Brasilien. Erst 1961 erschien Stangls Name auf der Fahndungsliste der österreichischen Kriminalpolizei, obwohl man wusste, dass er für den Tod von nahezu einer Million Menschen mitverantwortlich war.
Wiesenthals Arbeit an dem Fall:
Auf Betreiben von Simon Wiesenthal verhafteten brasilianische Behörden Franz Stangl 1967 in Rio de Janeiro. Noch im selben Jahr erfolgte die Auslieferung an die Bundesrepublik Deutschland. Der Prozess begann 1970. Stangl, der wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 400.000 Juden zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, verstarb kurz darauf an Herzversagen in einer Haftanstalt in Düsseldorf.
Weiteres Dokument:
Zum Passfoto von Franz Stangl
Im Akt, den Simon Wiesenthal zu diesem Fall anlegte, findet sich auch ein Passfoto von Franz Stangl aus den 1940er-Jahren. Es zeigt einen Mann mittleren Alters mit kurzen, dunklen, nach hinten gekämmten Haaren und kantigem Gesicht. Er blickt frontal und mit neutralem Ausdruck in die Kamera. Er trägt einen grauen Anzug, ein weißes Hemd und eine dunkle Krawatte. Am Revers seines Jacketts ist ein Hakenkreuzabzeichen zu erkennen.
Zum Passfoto von Franz Stangl:
Im Akt, den Simon Wiesenthal zu diesem Fall anlegte, findet sich auch ein Passfoto von Franz Stangl aus den 1940er-Jahren. Es zeigt einen Mann mittleren Alters mit kurzen, dunklen, nach hinten gekämmten Haaren und kantigem Gesicht. Er blickt frontal und mit neutralem Ausdruck in die Kamera. Er trägt einen (hellen ?) Anzug, ein weißes Hemd und eine dunkle Krawatte. Am Revers seines Jacketts ist ein Hakenkreuzabzeichen zu erkennen (Anmerkung PR: anhand des Fotos im Akt noch einmal überprüfen).