Fall 4
Adolf Eichmann

Telegramm der österreichischen an Simon Wiesenthal vom 26. Mai 1960. Die Nachricht gratuliert ihm zur Ergreifung Adolf Eichmanns und bekundet „vollste Solidarität“. Der Text ist in Großbuchstaben eingetragen.

Der digitale Akt zu Adolf Eichmann enthält zwei Dokumente: ein Telegramm der Österreichischen Widerstandsbewegung an Simon Wiesenthal vom 26. Mai 1960 mit Glückwünschen zur Ergreifung Adolf Eichmanns und ein Foto von Adolf Eichmann aus dem Jahr 1950.

Zunächst zum Telegramm vom 26. Mai 1960:

Es handelt sich um ein vorgedrucktes Telegrammformular mit den typischen Feldern für Absender, Empfänger und Datum. Der Text ist in Großbuchstaben maschinell eingetragen. Die Nachricht lautet, Zitat:

„Zu dem Erfolg Ihrer langjährigen Bemühungen … beglückwünschen wir Sie und bitten Sie, die Bekundung unserer vollsten Solidarität entgegennehmen zu wollen.“ Absender ist die Österreichische Widerstandsbewegung.

Die Nachricht bezieht sich auf die Festnahme Adolf Eichmanns und würdigt Wiesenthals Beitrag dazu. Das Telegramm ist eine der seltenen Gesten offener Anerkennung, die Simon Wiesenthal aus Österreich erhielt – zu einer Zeit, in der ihm aus weiten Teilen der österreichischen Gesellschaft Anfeindung entgegenschlug.

Nun zur Geschichte von Adolf Eichmann:

Adolf Eichmann wurde 1906 in Solingen im Rheinland geboren und wuchs ab 1914 in Linz auf. 1932 trat er in Österreich der NSDAP und SS bei. Ab Sommer 1938 leitete er in Wien die Zentralstelle für jüdische Auswanderung, die die Vertreibung und Enteignung der österreichischen Jüdinnen und Juden organisierte. Eichmann war als Leiter des für die Deportation und Vertreibung der Jüdinnen und Juden zuständigen Referats des Reichssicherheitshauptamtes einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung von sechs Millionen Menschen.

Wiesenthals Arbeit an dem Fall:

Kurz nach dem Krieg begann Simon Wiesenthal, die Spur Eichmanns aufzunehmen, unter anderem in Altaussee, wo dessen Familie lebte. Später verhinderte Wiesenthal, dass Eichmann fälschlicherweise für tot erklärt wurde und lieferte Hinweise auf dessen Aufenthalt in Argentinien. Wiesenthals Rolle bei der Ergreifung Eichmanns wurde später von Gegnerinnen und Gegnern in Zweifel gezogen.

Am 11. Mai 1960 wurde Eichmann vom israelischen Geheimdienst in Buenos Aires gefasst und nach Israel gebracht. Der Prozess, dem auch Simon Wiesenthal beiwohnte, endete mit dem Todesurteil. Eichmann wurde am 1. Juni 1962 im Gefängnis Ramla in Israel hingerichtet.

Weiteres Dokument:

Zum Foto von Adolf Eichmann

Im Akt, den Simon Wiesenthal zu diesem Fall anlegte, findet sich auch ein Foto von Adolf Eichmann, aufgenommen 1950 auf einem Schiff nach Argentinien. Es trug dazu bei, ihn dort aufzuspüren und zu identifizieren.

Adolf Eichmann, ein Mann Mitte 40, steht zwischen zwei Männern, mit denen er vertraut wirkt. Er trägt einen dunklen Mantel, Hemd und Fliege. Sein Kopf ist von einem Hut bedeckt, dazu eine getönte Brille. Im Hintergrund ist eine schiffstypische Konstruktion zu erkennen.

Die beiden Männer links und rechts tragen ebenfalls Mäntel über Hemd und Krawatte. Der Mann links blickt mit strengem Scheitel und großer Sonnenbrille direkt in die Kamera. Der Mann rechts ist im Halbprofil zu sehen, hält eine Pfeife in der linken Hand und schaut an der Kamera vorbei. Die drei Männer wirken zuversichtlich.

Schwarz-Weiß-Fotografie von Adolf Eichmann zwischen zwei Männern an Bord eines Schiffes. Eichmann trägt Hut, dunkle Brille und Mantel. Die Männer neben ihm tragen Anzüge; einer hält eine Pfeife in der Hand.